Die eigenen Grenzen kennen, und die der Anderen achten!

Frohe Ostern

Herzlich Willkommen beim Blog vom Khon Kaen-Stammtisch. Ich wünsche allen Freunden und Liebhabern von unserem Blog hier, mit ihren jeweiligen Partnern, frohe Ostern und angenehme Feiertage in den D-A-CH-Ländern.

Liebe Freunde vom Khon Kaen-Stammtisch-Blog, nachdem wir uns letzte Woche das geistreiche Thema über Humanität = Menschlichkeit näher gebracht haben, möchte ich heute ein ähnliches Thema mit euch betrachten.

Humanitaet

Wie oben zu lesen, geht es heute um die Grenzen, welcher jeder einzelne für sich selbst festsetzen sollte.

Haben Sie schon einmal erlebt, daß jemand Ihre Grenzen überschritten hat?

Halt, bis hierher und nicht weiter!!!

Halt, bis hierher und nicht weiter!

Sei es durch Unachtsamkeit oder durch unfaires oder unangemessenes Verhalten. Oder auch einfach nur, weil Ihnen jemand körperlich zu nahe gekommen ist, ohne dass Sie das wollten.

 Wir Menschen haben alle unsere Grenzen.

Unsere Grenze ist unser persönliches Hoheitsgebiet. Und wir allein bestimmen innerhalb dieses Hoheitsgebiets, was erlaubtes oder nicht erlaubtes Verhalten ist. Sobald jemand unsere Grenzen verbal oder körperlich überschreitet, merken und fühlen wir das sehr direkt und sehr deutlich. Weil wir dann unangenehm berührt sind, uns ärgern oder einfach nur in Stress geraten.

Wir haben alle andere Grenzen.

Dabei hat natürlich jeder von uns andere Grenzen. Mir persönlich ist zum Beispiel zwischenmenschlicher Respekt recht wichtig und deswegen reagiere ich „angepisst“, wenn jemand mich oder jemand anderen respektlos behandelt.

Viele meiner Freunde vom Khon Kaen-Stammtisch sind da in der Hinsicht eher entspannter.

Unser Khon Kaen-Stammtisch im Kosa Beer-Garden

Das zeigt mir immer wieder, wie unterschiedlich wir doch alle sind.

Unsere Grenzen haben übrigens dabei nicht zwingend etwas mit der Unterscheidung zwischen dünnhäutig und dickhäutig zu tun. Dünnhäutige Menschen haben zwar meist engere Grenzen, die leichter zu verletzen oder zu überschreiten sind. Aber auch die meisten dickhäutigen Menschen haben ihre wunden Punkte, an denen man schnell zum Grenzüberschreiter wird, ohne es böse zu meinen, ja oft sogar, ohne es zu merken.

Hier versuche ich meine körperlichen Grenzen auszuloten!

Was ich sagen will: Jeder von uns hat seine eigenen ganz speziellen Grenzen und zwei Menschen haben selten die gleichen.

Und weil wir hier alle so anders sind, kommt es auch ständig vor, daß wir versehentlich einen Schritt über die Grenze eines anderen Menschen tun. Oft passiert das, ohne daß wir es beabsichtigen, und sogar, ohne daß wir es bemerken.

 

Halt mein Bester, hier ist STOP!

Wir überschreiten ständig Grenzen von Menschen.

Daß wir gegenseitig unsere Grenzen überschreiten, ist relativ normal und meistens einigermaßen problemlos. Kleinere Überschreitungen können die meisten von uns gut wegstecken. Das ist es, was Toleranz ausmacht. Ich nehme kleinere Unbill auf mich, ohne etwas zu sagen. Wenn wir beim kleinsten Ungemach immer gleich rumzicken würden, dann würden wir ja aus dem Jammern nicht mehr rauskommen. Und wir wären auch sehr, sehr anstrengend für unsere Umgebung.

Aber es kommt irgendwann der Punkt, da müssen wir etwas sagen. Zum Beispiel, wenn sich die Grenzüberschreitungen häufen. Oder wenn jemand mit großen Schritten einfach über unsere Grenzpfeiler hinwegsteigt.

In der Enjoy Bar in Khon Kaen

Auch hier werden Grenzen ausgelotet!

Dann ist der Zeitpunkt, den Finger zu heben und laut und deutlich zu sagen:

„Mein(e) Liebe(r) … hier bist du mir zu weit gegangen.

Das will ich so nicht. Das ist mir unangenehm. Das ist nicht in Ordnung für mich, wenn du das tust oder sagst.

Lass das bitte und mach das nicht wieder.“

Oder: „Du … ich weiß, du meinst es gut … aber hier bist du mir viel zu schnell … so gut kennen wir uns noch nicht.“

Oder: „Hey, pass auf, wenn du das noch mal machst, bekommen wir ernsthafte Probleme miteinander.“

Wenn wir unsere Grenzen nicht verteidigen.

Grenzen setzen!

Grenzen setzen und verteidigen ist manchmal gar nicht so einfach!

Grenzen vereidigen!

Muß man. Ist logisch, oder?

Nicht nur aus Eigeninteresse, sondern auch, damit die Menschen um uns herum wissen, wen sie vor sich haben. Denn vielleicht haben Sie es auch schon erlebt, dass Menschen mit starken und gesunden Grenzen oft sehr angenehme Gesellschaft sind, weil wir bei ihnen wissen, woran wir sind. Gesunde Grenzen machen uns stark und Stärke ist nun mal sehr attraktiv.

Nun gibt es aber auch viele Menschen, die nicht besonders gut darin sind, für sich selbst, die eigenen Bedürfnisse und Werte einzustehen.

Natürlich haben diese Menschen auch ihre Grenzen. Aber während ein guter Grenzzaun bildlich gesprochen so um die 3 Meter hoch sein sollte, ist ihr Zaun nur 30 cm hoch, so dass jeder ungestraft darüber hinwegsteigen kann.

Mit diesen Menschen kann man im Prinzip alles machen. Zum Beispiel kann man, ohne große Konsequenzen befürchten zu müssen, unhöflich sein, man kann sie auflaufen lassen, man kann sie ausnutzen, man kann sie emotional unter Druck setzen und zu Dingen bewegen, die sie nicht möchten.

Mit einer zu schwachen persönlichen Grenze ist man anderen Menschen schutzlos ausgeliefert. Deswegen ist es wichtig, die eigene Grenze zu kennen und sie stark zu halten.

Gut … wie bekommt man den eigenen Grenzzaun denn auf eine angemessene Höhe?

Dabei helfen Ihnen vielleicht die folgenden Ideen.

Die eigenen Grenzen bewusst machen.

Wenn Sie Ihre Grenzen stärken möchten, dann müssen Sie sich erst einmal erlauben, überhaupt eine Grenze zu haben und diese auch zu schützen. Und die Voraussetzung dafür ist wiederum, die eigene Grenze genau zu kennen. Sonst passiert es schnell, dass man, ohne es zu merken, überrannt wird und dann erst im Nachhinein viel zu spät merkt, dass jemand unerlaubt in das eigene Hoheitsgebiet eingedrungen ist.

Wo genau verlaufen also Ihre Grenzen?

  • Welche Ihrer Bedürfnisse sind Ihnen so wichtig, dass deren Missachtung eine Grenzüberschreitung für Sie bedeutet? (Zum Beispiel mein Bedürfnis nach Ruhe, Respekt oder Fairness)

  • Was ist Ihnen so wichtig, dass Sie dafür kämpfen, wenn diese für Sie wichtige Sache durch andere verletzt wird? (Zum Beispiel wenn jemand Tiere quält oder Ähnliches)

  • Welches Verhalten anderer Menschen verletzt Ihre Grenzen? Was ist für Sie nicht in Ordnung? Was muss jemand tun, um Ihre Grenzen zu überschreiten?

  • Was sind Sie nicht länger bereit zu tolerieren?

  • Wann haben Sie sich das letzte Mal im Kontakt zu einem anderen Menschen schlecht gefühlt und welche Ihrer Grenzen wurde da eventuell überschritten?

Und auf der anderen Seite aber auch:

  • Wann und wo erlauben Sie anderen Menschen, auch nahe an Sie heranzukommen?

  • Wer darf in welcher Situation Dinge, die andere nicht dürfen?

  • Welchen Menschen erlauben Sie was? (Von wem nehmen Sie zum Beispiel Kritik an und von wem eher nicht?)

Mit diesen Fragen können Sie Ihre Grenzen ausloten und festklopfen. Und das ist auch wichtig. Denn der erste Schritt zu einer besseren Grenzverteidigung besteht immer darin, sich die eigenen Grenzen bewusst zu machen.

Also … was sind Ihre Grenzen?

Sich selbst Grenzen zugestehen.

Die eigenen Grenzen zu kennen hilft einem schon mal einen Schritt weiter. Aber es reicht nicht. Man muss sich selbst auch erlauben, diese Grenzen einzufordern. Denn das ist Ihr gutes Recht. Jeder von uns hat das Recht auf seine Grenzen. Sie. Ich. Und jeder andere auch. Jeder von uns hat ein Recht darauf, zu bestimmen, welches Verhalten er von anderen Menschen toleriert und welches Verhalten nicht.

Hier tun sich nicht wenige von uns schwer. Und nicht selten ist eine Selbstwertgeschichte dafür ursächlich. Wenn ich mich selbst als Mensch nicht genug akzeptiere, wichtig nehme und wertschätze, wie soll ich dann für mich und meine Grenzen einstehen? Wenn ich andere Menschen wichtiger nehme als mich selbst, dann bewerte ich unbewusst ihre Freiheit des Handelns als wichtiger als mein Recht auf mein eigenes Wohl und meine Grenzen.

Aber meine allererste Aufgabe als „Ich“ ist es für mich und mein Wohl zu sorgen.

Nicht falsch verstehen: Natürlich ist es auch wichtig, mich um die mir anvertrauten Schutzbefohlenen zu sorgen. Und Glück erlebt man ja oft auch eher im Dienst am anderen. Aber das kann ich ja nur, wenn ich selbst emotional und körperlich stabil und in Form bin. Deswegen muss ich mich zuerst immer erst einmal um mich selbst kümmern.

Und das bedeutet wieder: Die eigenen Grenzen kennen und diese einfordern, wenn sie überschritten werden.

Ihre Aufgabe ist es deswegen vielleicht hier, Ihr Selbstwertgefühl ein bisschen aufzupäppeln.

In Kurzform bedeutet das: Machen Sie Frieden mit sich und den Dingen, die Sie an sich vielleicht nicht leiden können. Beobachten Sie sich selbst und entdecken Sie, wo Sie sich selbst in Gedanken runtermachen und sich unschöne Botschaften senden. Und fangen Sie an, diese Botschaften weniger ernst zu nehmen. Lernen Sie, Ihre Gefühle besser wahrzunehmen, diese da sein zu lassen und diese aber auch loszulassen.

Lernen Sie sich besser kennen, inkl. Ihrer Stärken und Schwächen. Lernen Sie die Kunst der Gefühlsregulation.

Lernen Sie quasi alles, was Ihnen dabei hilft, sich selbst mehr wertzuschätzen und mit sich selbst besser und freundlicher umzugehen.

Und dann können Sie auch bald sagen: Ich habe meine Grenzen und es ist absolut o. k., diese Grenzen einzufordern und notfalls auch zu verteidigen.

Konfliktbereitschaft lernen.

Um die eigenen Grenzen zu verteidigen muss man auch ein gewisses Maß an Konfliktbereitschaft mitbringen. Das heißt, Sie müssen es sich selbst erlauben, in einen möglichen Konflikt reinzugehen und diesen auch auszuhalten.

Oft trauen wir uns das nicht, weil wir dann Angst haben, dass andere uns nicht mehr mögen. Aber paradoxerweise mögen und respektieren wir normalerweise andere Menschen, die freundlich, aber bestimmt sagen, was sie wollen und was sie nicht wollen.

Das heißt, ein weiterer Lernpfad für Sie könnte es sein, gut und sauber Streiten zu lernen.

Mir helfen dabei zwei Dinge:

1. Die folgende Leitlinie, die ich durch den Verhandlungsklassiker „Das Harvard-Prinzip“ kennengelernt habe: „Sei hart in der Sache und weich mit den Menschen.“ Also stehen Sie zu Ihren Grenzen.

Sagen Sie klar, was Sie wollen.

Seien Sie hart bei Ihren Interessen und Bedürfnissen. Gleichzeitig sind Sie aber höflich, respektvoll und verständnisvoll mit Ihrem Gegenüber. Und seien Sie auch bereit, Positionen zu verlassen, wenn Sie merken, dass Sie Ihre Interessen auch auf anderem Wege durchsetzen können.

2. Was auch hilft, sind die Grundprinzipien der gewaltfreien Kommunikation. Also bleiben Sie immer bei sich. Und trennen Sie sauber das, was passiert ist (die Fakten), und die eigene gefühlsmäßige Reaktion auf das, was passiert ist. Nehmen Sie Ihre Bedürfnisse wahr und lernen Sie, Ihre Bedürfnisse einzufordern, ohne dem anderen Vorwürfe zu machen.

Und machen Sie sich immer klar: Es ist Ihr Recht einzufordern, was Sie brauchen. Und wenn Ihr Gegenüber darauf eingeschnappt oder aggressiv reagiert, dann bleiben Sie möglichst ruhig und sachlich und legen Sie Ihren Punkt so lange dar, bis der andere verstanden hat, worum es Ihnen geht.

Und wenn jemand über lange Zeit überhaupt nicht bereit ist, Ihre Grenzen zu respektieren, dann ist auch die Frage erlaubt, ob dieser Mensch langfristig ein fester Bestandteil Ihres Lebens sein soll.

Ein kleiner Test:

Wenn Sie Lust haben, machen Sie doch mal ein kleines Experiment. Überlegen Sie sich doch einmal kurz ein oder zwei Situationen, in denen Menschen in den letzten Wochen Ihre Grenzen überschritten haben. Haben Sie die Situationen vor Augen? Ja? Prima.

O. k. … dann überlegen Sie sich doch einmal, wie Sie anders reagiert hätten und wie die Situation im besten Fall anders gelaufen wäre, wenn Sie die Ideen aus diesem Beitrag hätten anwenden können.

Also

  • wenn Sie Ihre Grenzen klar kennen

  • wenn Sie sich Ihre Grenzen zugestehen,

  • wenn Ihr Selbstwertgefühl intakt ist und

  • wenn Sie kein Problem damit haben, in einen Konflikt reinzugehen.

Wie wäre das?

Ja, das könnte vielleicht Ihre Richtung sein.

Herzliche Grüße , euer Dr. Charly Biehl

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